Ich lebe ein machtfreies Leben! Ja, macht-frei aber nicht macht-los!

Als ich Macht als absolute Illusion erkannte, holte ich erstmal tief Luft. Macht ist so allgegenwärtig in unserem Leben/Bewusstsein, dass jeder glaubt, es wäre real!

Ich hatte folgende Gedanken als ich Macht losließ: Wenn ich machtfrei leben würde, wäre ich der Fußabtreter für andere, ich könnte mich nicht mehr verteidigen, ich wäre ein Opfer, ich könnte meine Rechte nicht mehr verteidigen usw.

Machtfreiheit macht erstmal Angst und der Verstand kann sich nicht vorstellen, wie das im Alltagsleben funktionieren könnte….

UND das muss er sich auch nicht vorstellen, denn wir wollen es ja leben und erfahren und nicht in die Begrenzung unseres Verstandes packen und es dort leblos kreisen lassen.

An dieser Stelle bemerken wir schnell, dass der Verstand immer dualistisch funktioniert. Es gibt immer ein definiertes Paar, das sich gegenübersteht und spiegelt. Gut und schlecht – schön und hässlich, Freude – Trauer und in diesem Falle Macht und Ohnmacht!

Entlarven wir Macht jedoch als Illusion und lassen sie gehen, geschieht etwas vollkommen Neues. Erstmal wird Platz im eigenen Bewusstsein geschaffen. Es wird Raum, der einfach ungefüllt existiert und gut wahrnehmbar ist.

In dieser „Raumzeit“ wurde mir bewusst, wie gewohnt ich es doch war z.B. meine Macht als Mutter einzusetzen! Nicht, dass ich das zuvor „absichtlich“ getan hätte, ich tat es einfach unbewusst und machtüberzeugt.

Es gab Momente, in denen ich vor meiner Tochter stand und nicht mehr in der alten machtvollen Art und Weise auf sie reagieren konnte. Diese Momente waren erstmal ungewohnt und ich frage mich danach, wie sollte ich jetzt reagieren?

Diese „Neusortierungsphasen“ sind völlig natürlich, wenn wir falsche Überzeugungen loslassen, es braucht etwas Zeit, bis das Losgelassene wieder einen Platz gefunden hat und sich integriert.

In den Momenten, in denen ich zu dieser Zeit eher reaktionsunsicher war, begann ich meine Unsicherheit zu beobachten und anstatt sofort mit einem anderen Handlungsmuster aktiv zu werden, nahm ich vermehrt meinen Atem wahr. Ich begann die Unsicherheit zuzulassen, die Leere auszuhalten.

Ich bin hier, auch wenn ich unsicher bin, auch wenn ich momentan nicht weiß, wie ich reagieren soll.

Ich bin hier!

Ich bin hier UND ich fühle meine Unsicherheit, ich sehe meine Tochter vor mir, ich bin hier und ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll…

Ich muss es nicht wissen, nicht jetzt, ich erlebe den gewordenen Raum in mir, der noch nicht wieder gefüllt ist…so ist es! Es ist nicht mehr und nicht weniger, es ist wie es ist.

Ich kann es dabei belassen, ich muss den gewordenen Raum nicht wieder füllen oder kontrollieren. Ich erlaube meinem größeren Sein, sich darum zu kümmern!

Wie so oft zuvor erfahren, verließ die Idee von Macht mit der Zeit vollständig mein Bewusstsein. Können Sie sich vorstellen, welchen Effekt dies auf meine Beziehungen und mein Leben hat?

Machtfreie Beziehungen! Machtfreie Kontakte. Machtfreie Kommunikation. Machtfreie Begegnungen.

Das Erstaunliche am Loslassen ist, dass wenn man etwas aus dem eigenen Bewusstsein entlässt, es dann auch nicht mehr von „außen“ auf einen zukommt. In diesem Fall erlebe ich keinerlei machtvolle Übergriffe von anderen Menschen mehr auf mich selbst.

Die Brille der Macht ist aus meiner Realität vollkommen verschwunden und es ist eine so große Erleichterung! Denn die Illusion von Macht braucht viel Kraft um sich selbst aufrecht zu erhalten.

Macht war für eine Zeit eine spannende Erfahrung, Macht war ein Spielplatz, auf dem wir uns kräftig austobten! Nun bin ich ihrer Begrenzungen müde geworden, es reicht, ich habe diese Erfahrung gemacht. So kann ich sie in mir aufspüren, ich kann sie umarmen, ich lasse sie gehen…Danke!